Theodor Heuss
WEINBAU UND WEINGÄRTNERSTAND IN HEILBRONN AM NECKAR

Mit einem Vorwort neu herausgegeben von Isolde Döbele-Carlesso
2005. 160 Seiten. 14,5 x 22,0 cm. Klappenbroschur.
ISBN 3-00-014657-1
EURO 10,-
vergriffen. Neue Auflage geplant.

Die Dissertation, die Theodor Heuss (1884–1963) im Jahre 1905 geschrieben hat, ist die erste, die sich mit dem Weinbau in Württemberg, am Beispiel der freien Reichsstadt Heilbronn, wissenschaftlich befasst. Der spätere Bundespräsident analysiert in seiner Arbeit die Geschichte des Heilbronner Weinbaus und die wirtschaftliche Lage seiner Weingärtner. Diese Studie ist nicht nur eine lokale Untersuchung, sondern sie geht auch insgesamt auf die wirtschaftspolitischen Fragen, die den Weinbau um 1900 betreffen, ein.
Theodor Heuss war die Vernachlässigung des Themas Weinbau, und dies nicht nur in Württemberg, aufgefallen. Ere stellte fest, »daß die Volkswirtschaftslehre als solche sich um den deutschen Weinbau und seinen Lebensbedingungen fast überhaupt nicht bekümmert hat und daß die wissenschaftlichen Agrarpolitiker auf der Anbaukarte Deutschlands die 130.000 Hektar Weinfeld scheinbar ganz übersehen haben, die doch immerhin einen gewissen nationalen Wert besitzen.«
Die Arbeit, mit der der erst 21-jährige Heuss bei dem Nationalökonom Lujo Brentano an der Universität Münchner promovierte, gab der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen den Anstoß, sich ebenfalls des Weinbaus anzunehmen.

»Mit Doktorarbeiten ist es so eine Sache. Da Wein als ein Produkt der Fröhlichkeit gilt (und nicht der Mühe), hat späterhin die Erwähnung dieses ersten ›wissenschaftlichen‹ Versuches zumeist nachsichtige Heiterkeit gefunden. Die sich unterrichtet fühlten, pflegten zu sagen: ›wie Stresemann über den Flaschenbierhandel.‹«
Theodor Heuss in seinen 1945 verfassten Jugenderinnerungen Vorspiele des Lebens, erschienen 1953.


»Manche habe später die Wahl eines solchen Themas ziemlich skurril und abwegig gefunden, da meine junge Schriftstellerei dann doch zunächst ganz andere Wege suchte, solche der Geistes- und Kulturgeschichte.
Aber ich bin doch mein ganzes Leben, ohne Getue, froh geblieben, daß ich diesen jugendlichen Einfall gehabt habe und ihm auch über die Mühseligkeiten der Stoffbeschaffung die Treue hielt.«
Theodor Heuss in seinem Vorwort zu dem Buch Weinland Baden-Württemberg, 1959.