Frauen und Wein – Zum alten Brauch der Weiberzeche
Historische Texte

Mit einer Einführung herausgegeben von Isolde Döbele-Carlesso
Juni 2007. 96 Seiten. 12,5 x 19,0 cm. Gebunden.
ISBN 978-3-939333-05-0
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Frauen in ihrer Beziehung zum Wein sind ein reizvolles Thema, das in Darstellungen über das Weintrinken gerne aufgenommen wird. Mit Vorliebe werden Anekdoten und Vorkommnisse zum Besten gegeben, die von der Trinkfreudigkeit des weiblichen Geschlechts handeln. Als Beispiel wird oft die so genannte Weiberzeche angeführt, ein in Altwürttemberg in bestimmten Gemeinden begangener Brauch.
Die Weiberzeche stellte für die Frauen des Ortes eine Ausnahme dar. An diesem jährlich abgehaltenen Zechtag wurde ihnen in einer von Männern bestimmten Gesellschaft eine öffentliche Aufmerksamkeit entgegengebracht, die sie sonst das Jahr über zu entbehren hatten. Von herrschaftlicher Seite sanktioniert, wurde ihnen von der Gemeinde auf dem Rathaus ihre nach altem Recht zustehende Zeche ausgerichtet. Die Gemeinde war es auch, die für den »Weibertrunk« aufzukommen hatte.
Der Band enthält verschiedene historische Quellen und Texte, die diesen außergewöhnlichen Brauch zum Thema haben. In der Einführung im ersten Teil des Buches wird die Zeche von verschiedenen Seiten beleuchtet und zu ihrem besseren Verständnis ein kurzer geschichtlicher Überblick über ihre Entwicklung, Ausprägung und Überlieferung gegeben. Dabei werden auch die Veränderungen ersichtlich, denen dieser ländliche Brauch unterworfen war.

Für die Brauchtumsgeschichte ist die Weiberzeche insofern interessant, als sie im Laufe der Zeit unterschiedlich beschrieben und interpretiert wurde. Die dabei aufgestellten Behauptungen haben nachfolgende spätere Autoren meist nicht hinterfragt, sondern unkritisch als historische Tatsachen ausgegeben. Sie vermitteln dadurch ein verzerrtes Bild und verstellen so den Zugang zum eigentlichen Sinn des Brauches.
Insbesondere die Darstellung der Weiberzeche als bacchantisches Trinkgelage wurde als Beleg für die Unmäßigkeit der Frauen im Umgang mit Wein herangezogen. Sie ist jedoch eine von vielen Fehlinterpretationen, die den Frauen und dem von ihnen gefeierten Brauch nicht gerecht werden.
In einer der überlieferten historischen Quellen wird die Weiberzeche als »Geschenk für die Frauen« bezeichnet, in einer anderen als Belohnung für geleistete Fronarbeit gedeutet.
Ihr Zechrecht konnten die Frauen als öffentliche Anerkennung genießen. Die Zeche, bei der sie geschlossen auftraten, bot ihnen die Möglichkeit zur Selbstdarstellung. Sie war für die Frauen ein Fest, das sie entsprechend zu gestalten suchten, verteidigten und wenn es sein musste, auch immer wieder neu einforderten.

Besonders häufig ist die Weiberzeche im württembergischen Unterland, im Gebiet des Strom- und Heuchelbergs, vorgekommen. Nachgewiesen werden konnte sie bislang in neun Orten des früheren Brackenheimer Oberamtes, in das 1808 das Amt Güglingen eingegliedert wurde. Im alten Amt Güglingen gab es sie in Eibensbach und in den Strombergorten Häfnerhaslach, Ochsenbach und Spielberg, im alten Amt Brackenheim in Botenheim, Cleebronn, Meimsheim und Nordheim sowie in dem zum Heuchelberger Stab gehörenden Städtchen Kleingartach. Im Nachbaramt Besigheim wurde sie in Hessigheim, im alten Amt Sachsenheim in Kleinsachsenheim und in Metterzimmern gefeiert.
Die Weiberzeche findet man aber nicht nur im württembergischen Unterland. Belegt ist sie u.a. auch für Dörnach und Weilheim (Oberamt Tübingen), Dornhan und Mühlheim (Oberamt Sulz), Böblingen und Sindelfingen.